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EXTRAWURST

Wein und Charakter

Kellerei St. Michael-Eppan

Wenn die Telefonlinien der Kellerei St. Michael-Eppan besetzt sind (weil: da ein paar neue japanische Weinkunden, dort Skandinavier, daneben der große, durstige italienische Weinmarkt) -, dann gerät man kurz in die musikalische Warteschleife: die Musik beginnt leise „dumm-da-dumm-da“, steigert sich jedoch bald zu einem energischen „tumm-dada-tumm-tata-tumm“, es ist, als ob man heran preschende Rösser hörte. Als ob Django-Clint-Eastwood-Charles-Bronson im nächsten Augenblick um die Ecke reiten würden, um im Saloon endlich ein paar alte offene Rechnungen zu begleichen. Bald wird man es mit Hans Terzer zu tun bekommen, dem schnellsten Kellermeister Südtirols, bei keinem sitzt der Colt so locker im Gurt.

Hans Terzer hat der ehemals (lang, lang ist’s her) verschlafenen Kellerei St. Michael-Eppan die Tore zur großen Weinwelt weit geöffnet. Mit einer gotisch-fruchttiefen Weißweinlinie (Weißburgunder, Chardonnay, Sauvignon, Gewürztraminer, Ruländer), deren mineralisch prickelnde, klare Sortenstilistik stets an im Mund gemahlene vollreife Traubenkerne erinnert. Und unbeirrbar wie Charles Bronson auf seinen langen Ritten hat Terzer Blauburgunder, Cabernets und Merlots nicht zu koketten Weichfrüchtlingen (von denen sich manche Weinführer-Verkoster gerne blenden lassen) erzogen. Sondern er hat diese Roten mit Biss, Geradlinigkeit, manchmal auch mit Gerbstoff-Kanten ausgestattet, also mit Eigenschaften, deren Vorzüge sich erst im reiferen Alter zeigen (wie Charles Bronson).

Sicher -, so ein Entschlossener wie Hans Terzer, einer, der so oft „Erster“ war (erster „Passito“ Südtirols, der „Comtess“ anno 1989; erste „frucht-fruchtbetonte“ Weißweinlinie; erster Weißburgunder, der in der „hohen“ Linie aufgenommen wurde usw. usw.) -, so einer wie Hans Terzer muss auch Querschläger einstecken können: sein 2001er Weißburgunder „St. Valentin“ geriet für manchen Weinbeißer zu eichenholzlastig. Hans Terzer ist zäh, unglaublich zäh -, aber er ist nicht stur: er hat sein Ziel neu eingestellt, er hat diesem Weißburgunder in den Folgejahren ein immer weniger enges Holzkleid angemessen: sein 2004er (Fassprobe) ist für mich, den eingefleischten Weißburgunderfreund, ein „tumm-dada-tumm-tata-tumm“, ein herrlicher Reiterwein, ein nimmermüder Weißburgunder mit Biss, Schmelz und Ausdauer. Wie Charles Bronson.

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