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EXTRAWURST

Zorniger Merlot (1)

Kellerei Kurtatsch

Man hat sie ja noch einigermaßen gut im Ohr bzw. vor Augen, die begeisterten bis manisch-barocken Hymnen italienischer Weinführer auf den Südtiroler Merlot der Jahrgänge 1995 bis 2000. Gelobt wurde der tanninherbe Grundton, gepriesen der süße Extraktgehalt, die tiefe Farbe, die feste alpine Art in der Jugend des Weines, die wundervoll weiche und seidige Textur im reiferen Alter. Seit ein paar Jahren herrscht diesbezüglich Totenstille in den nationalen Weingazetten. (Die Ausnahme, dass ab und zu ein kräftiger Südtiroler Rotwein-Verschnitt mit Merlot-Anteil beachtet wurde, bestätigt nur die seltsame Regel.)

Warum diese Stille? >Ah! I vostri Merlot sono veramente squisiti, i vari Brenntal di Cortaccia, i Lageder, Colterenzio, Cantina di Bolzano e vai dicendo. Ma<, brachte es ein lombardischer Sommelier auf den Punkt, >ma attualmente va forte-fortissimo il vostro Lagrein ed il Merlot Sudtirolese sembra decisamente fuori moda …< Er hat ja Recht, der Lombarde. Einerseits. Andererseits wird man als einheimischer Weinbeißer von alttestamentarischem Zorn ergriffen. Weil man, frei nach Paul Flora, als verwurzelter Tiroler immer böse Feinde hat. Weil man seine Trinkgewohnheiten nie und nimmer einem modischen Trend unterordnen will. Und deshalb wird die „Extrawurst“ demnächst stur- & querschädlig hiesige Merlots verkosten.

Man kann, muss aber nicht, den ersten Zorn mit einem Merlot „Brenntal“ 2002 der Kellerei Kurtatsch hinunterspülen - er überwältigt die Sinne mit sanfter Kraft, guter Konzentration, breiter, aromatischer Dichte: was das Trüffelschwein im Waldboden findet ist präsent, außerdem jede Menge Waldbeeren, auch Schokolade, sogar Tabak und frisch geröstete Kaffeebohnen. Man muss, um den ersten Zorn zu vergessen, nicht unbedingt den wunderbaren 2002er trinken, auch der etwas zartere 2001er „Brenntal“ hilft. Er ist etwas weniger fleischig-füllig, begeistert jedoch mit mineralischer Frische. Brenntal (lehmreicher, gut durchlässiger Boden) ist eine der besten Merlot-Kleinlagen Südtirols.

Das Wunderbare an diesem Merlot, erklären unisono Arnold Terzer (Obmann) und Othmar Donà (Kellermeister), entsteht im Weinberg. Natürlich ist das klassisches Unterlandler Understatement. Natürlich, ergänzen wir, ist Donà ein präziser Merlot-Kenner und –Könner, der diesem fruchtig-fleischigen Roten nie zuviel neue Holzfässer aufzwingt.

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