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EXTRAWURST

Weißburgunder-Fassproben

Kellerei Schreckbichl

>Ha!<, sagte mir einmal ein streitbarer Kalterer Kellermeister, >es ist ja gut, dass in Südtirol in der letzten Zeit so viele Sommeliers aus dem Waldboden (d.h. aus Nicht-Weinbaugegenden, wie z.B. aus dem Großraum Pustertal – Anmerkung von mir) geschossen sind. Aber manchmal muss ich doch herzhaft lachen, wenn ich in einer Weinbar frisch aus einem Wochenendweincrashkurs kommende Weiblein und Herrlein erlebe -, wie sie die Apothekerbrille streng aufgesetzt haben, wie sie mit den Augen blinzeln, wenn sie über fertige Weine diskutieren.

Ha, über fertige Weine etwas zu sagen, das ist keine Kunst! In den Keller müssten sie gehen, auf Fassproben müssten sie sich einlassen – vor solchen Weinbeißern habe ich Respekt.< - Ja, sicher, eine ausgedehnte Verkostung von Fass zu Fass mit dem Kellermeister im tiefen Keller, das gehört zu den großen Abenteuern im Leben eines Weinliebhabers: man steht ein bisschen in einem Wildwest-Saloon, man ist die linke und der Kellermeister ist die rechte Hand des Teufels – eine falsche Bemerkung und der Kellermeister schießt sein Weinvokabular aus der Hüfte. Oder umgekehrt. Niemand will sich bei der Einschätzung von Jungweinen allzu weit aus dem Fenster lehnen – weder der Kellermeister, der nur zu gut weiß, dass jeder Jungwein noch eine lange Entwicklung „durchmacht“, bis er in die Flasche kommt. Noch der schreibende Weinbeißer, weil er ja nicht wissen kann, welche Weinpartien miteinander verschnitten werden.

Beim Weißburgunder 2004 der Kellerei Schreckbichl ist die Angelegenheit einfacher: ich bin seit langem ein bekennender Weißburgunder-Liebhaber – gemeinsam mit dem Schreckbichl-Kellermeister Wolfgang Raifer habe ich über ein Dutzend 2004er Weißburgunder verkostet, vom großen Stahltank bis hinunter zum Barrique; kein Schluck bzw. Schlürfer war darunter, der nicht sehr große bzw. außergewöhnliche Trinkfreude ausgelöst hat. Girlaner Weißweine im allgemeinen und Schreckbichl-Weißburgunder im besonderen weisen immer eine prickelnde Mineralität auf. Die ausgeprägte Säurestruktur der 2004er Weißburgunder verstärkt dieses Prickeln, sodass wir eine Steigerung von „Prickeln“ im Hochdeutschen nicht finden und folglich erleichtert zum Dialekt greifen müssen: die Schreckbichler Weißburgunder 2004 „gúzzeln!“ – Wehe, wenn sich ein Weißburgunder so cremig einschmeicheln würde, wie manch modischer Chardonnay. Nein, „gúzzeln“ müssen sie, wie Wolfgang Raifers Weißburgunder.

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