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EXTRAWURST

Sommer-Perlen

Holundersekt & Gravensteiner-Sekt

Irgendwie steht Bio-Alkohol hierzulande immer noch in einem Strafeck drinnen. Der typische Bioladen-Kunde greift sich höchstens zwischen Weihnachten und Neujahr ein paar Bio-Prosecco, vielleicht noch in den Hundstagen 4, 5 Bio-Hefeweizenbiere. Für den Rest des Jahres herrscht entweder selbstauferlegte Prohibition, weil Pípplen sowieso ungesund ist. Oder man kauft sich zwischendurch einen „herkömmlichen“, Nicht-Bio-Wein, aber halt einen feinen -, weil: Pípplen ist sowieso ungesund, also kann auch mit einem herkömmlichen Tropfen gesündigt werden.

Deshalb sind Bio-Alkohol-Produzenten (hierzulande, aber auch im guten, alten Bio-Pionierland Deutschland!) in der Zwickmühle: würden sie ihre Produkte nur in Bioläden anbieten, dann würden sie bald „aufhausen“. Und beim Umgang mit konventionellen Wiederverkäufern (Önotheken, Restaurants usw.) müssen Bio-Produzenten hartnäckig und geduldig wie Elefanten sein. Weil dort der Zusatz „Bio“ auf der Etikette nicht sehr viel zählt. >Aah ...<, sagte beispielsweise mit leichtem Achselzucken der Chef einer gutsortierten Enoteca in Trient zu Franz Egger, >il tuo „Gravensteiner-Sekt“ é anche biologico ...<. Bestellte aber dennoch acht Karton davon. Sicher nicht wegen „Bio“. Sondern nur, weil ihm dieser flaschenvergorene Apfelsekt so gut geschmeckt hat. Und weil er von der „novitá“ und der „eccellente idea“ begeistert war.

Der Salurner-Neumarkter Franz Egger hat – sachlich ausgedrückt – das Profil eines modernen Bio-Produzenten: er hat die Elefantenhaut, um auch auf „konventionellen Standplätzen“ zu bestehen; er ist ein zäher Organisator (z.B. der Bio-Messe auf Schloss Maretsch); und er experimentiert gerne: gerade ist sein Holundersekt auf den Markt gekommen – ein Apfelmost, der zusammen mit Holunderblüten in der Flasche vergoren wird. Das Aufregende an Eggers Experimenten: er verknüpft die Traditionen verschiedener Regionen miteinander -, den Tiroler „Hollerwein“ mit dem Apfel-Cidre bretonischer bzw. baskischer Überlieferungen. Außerdem ist der Gravensteiner (was schert mich Braeburn, was Pink Lady!) mein absoluter Lieblingsapfel: er hat immer noch den frisch-herbsten Charakter unter allen Apfelsorten.

Für Eggers Sekte lohnt es sich, der Bioladen-Klientel noch einmal zu erzählen, dass Alkohol gesund ist. Ja, dass auch die Großmutter im Märchen vom Rotkäppchen und dem bösen Wolf eine Flasche Wein und kein Mineralwasser aus dem Körbchen bekommt.

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