<<< zurück  

EXTRAWURST

Reste aufbrauchen!

Eiklar, Suppenfleisch, Omelettenteig

Im Angesichte des geöffneten Kühlschrankes ist kurz-vor-dem-Urlaub ziemlich ähnlich wie gleich-nach-dem-Urlaub: viel ist nicht mehr bzw. noch nicht drinnen. Das sind die Momente, in denen man sämtliche trendigen Hochglanzkochbücher zum Teufel schicken kann. Weil dort immer nur steht: „die Wachteln werden in Speckscheiben gewickelt“, „die Entenbrust auf der Hautseite vorsichtig kreuz und quer einschneiden“, „zuerst einen schnellen Fischfond zubereiten“.

Weil Hochglanzkochbuchautoren immer davon ausgehen, dass ein wunderbarer Frisch- bzw. Bauernmarkt gleich um die Ecke ständig geöffnet hat. Aber es ist Samstag Abend oder Sonntag Morgen und man muss mit seinem – urlaubsbedingt bestenfalls nur halbleeren – Kühlschrankbestand das Vernünftigste kochen. Haubenkoch-Bücher helfen beispielsweise nicht besonders weiter, wenn man ein bisschen Suppenfleisch übrig hat. Wer das Glück hat, Ur-, zumindest aber Großmutters Rezeptsammlung geerbt zu haben, der ist besser dran. Denn dort steht ausdrücklich, dass man sein Suppenfleischrestl z.B. zu Bauern- oder Herrengröstel veredeln kann (je nach dem, ob man gekochtes Rind- oder Kalbfleisch hat).

Von russischen Kochbüchern kann man eine ähnliche, weise, „urgroßmütterliche“ Gelassenheit lernen. Ein russischer Koch wird nie nervös, wenn er seinen Omelettenteig nicht vollständig aufbraucht. Ganz im Gegenteil. Er lässt seinen „alten“ Teig 1, 2, 3, auch mehrere Tage im Kühlschrank stehen, dann setzt eine leichte Gärung ein und der Teig schmeckt nach einem famosen Sauerteig! Wer nicht schon wieder Omeletten essen will, der kann seinen Restteig mit Mehl und Grieß zu einem Spatzl-Teig eindicken. Oder er erweckt ihn mit etwas Mehl und einem gehörigen Schuss Schnaps zu einem Strauben-Teig: ein paar Strauben können Familien bzw. Wohngemeinschaften auch nach verkorksten Urlauben wieder bärenstark zusammenschweißen. Dasselbe gilt für das Verwerten von Eiklar-Resten.

Wer kakanisch-österreichische Geduld in der Küche hat, der versuche „Schneenockerl mit Vanillesauce“: 4 Eiklar unter langsamer Zugabe von 90 g Zucker zu festem Schnee schlagen. ½ l Milch erhitzen (80°), die Nockerl mit einem Löfferl ausstechen und in die Milch einlegen (ca. 5 Min./Seite). Nockerl raus, warm halten. Etwas Vanillepuddingpulver in 2 EL kalter Milch glatt rühren, dann in die kochende Milch einrühren; unter Rühren abkühlen lassen.

***

<<< zurück