EXTRAWURSTLangsamkeit & GastfreundschaftEin sardisches Hirtenessen>Der Gast wird zunächst von den Mägden gebadet und mit Olivenöl gesalbt. Anschließend geleiten sie ihn in einen großen, hohen und gewölbten Saal, der verkleidet ist mit blinkendem Gold und Silber, Elfenbein und Marmor, der ausgestattet ist mit purpurfarbenen, gepolsterten Thronen und geglätteten Tischen. Dem Gast wird eine goldene Kanne mit frischem Wasser und eine silberne Schüssel gereicht, um sich die Hände zu waschen. Die Mägde bringen Brot und Wein, die Köche gebratenes Fleisch. Sobald der Hunger und der Durst gestillt sind, tritt ein Seher und Sänger auf, spielt die Harfe und trägt Lieder vor, während sich Tänzer in der Mitte des Saals nach dem Takt drehen.< So beschreibt Erwin Seitz den Mythos des Mediterranen in der Antike. An diese südländische Gastfreundschaft erinnert das sardische Hirtenessen „sa corda a cordula“ (in einer älteren Leserzuschrift wurde das Rezept eingefordert): die „cordula“ ist kulinarisch wie lautmalerisch unserem „Schlíngele“ (=Innereien) von Kitz oder Lamm ähnlich -, die Sarden sind noch etwas uriger als wir Tiroler, sie kochen auch noch die Luftröhre und den sauber geputzten Darm (alle Ingredienzien werden kleingeschnitten). Wen es jetzt „graust“ und wer die lieblichen, eingangs zitierten Gepflogenheiten an Fürstenhöfen bevorzugt, der sei daran erinnert, dass man auch dort beispielsweise mit Blutwurst gefüllten Ziegenmagen gereicht bekam, welcher auf Holzkohle geröstet wurde! Die jüngere Variante von „sa corda a cordula“ sieht in Olivenöl angedünsteten Zwiebel, sowie Erbsen (fallweise auch noch Tomaten) vor, mit welchen die „cordula“ gemeinsam in der Pfanne brutzelt. Die ältere Machart ist sicher unter freiem Himmel bei der „transumanza“ entstanden: die „cordula“-Stückchen werden hierbei auf kleine Holzstäbe gespießt und gegrillt. >Weh mir! Zu welchem Volke bin ich nun wieder gekommen?< fragte sich Odysseus ungefähr zur Halbzeit seiner langen Irrfahrt, >Sind’s unmenschliche Räuber und sittenlose Barbaren / Oder Diener der Götter und Freunde des heiligen Gastrechts?< - Wer das Glück hatte, von sardischen Hirten einmal zu „corda a cordula“ eingeladen zu werden, kennt die Antwort! *** |
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