Österreicher in D
Die Österreicher haben es ja auch nicht leicht in Deutschland. Immer, wenn ich daran denke, kommt mir eine De Crescenzo-Episode in den Sinn: nicht einmal ordentlichen Kaffee könne seine Frau („Una tedesca, una di Monaco-München“) machen, vom miserablen Essen wolle er lieber gar nichts sagen, beschwert sich ein Mailänder im Gespräch mit einem Nachbarn aus Neapel. Der Neapolitaner seufzt solidarisch mit, nickt ein wenig und fasst sein eigenes Leben im Mailändischen Exil in einen Satz zusammen: >Eh sí, capisco, si è sempre meridionale di qualcuno!< Sicher, es gibt erfolgreiche Neapolitaner in Mailand. Und es gibt erfolgreiche österreichische meridionali in Deutschland. Hierbei könnte man die glänzende TV-Karriere („Herzblatt“) der singenden Schmalzlocke Rainhard Fendrich erwähnen. Oder den steirischen Super-Konditor Johann Lafer, der im ZDF seit Jahren vor einem Millionenpublikum köcheln und österreichisch reden darf. Aber das sind österreichische Ausnahmen in der feindlich gesinnten Piefkei. Folglich mag der Österreicher im Normalfall die Deutschen nicht. Wiener gehen diesbezüglich meistens einen Schritt weiter, für sie sind Deutsche grundsätzlich „Wáppla(r)“ – was, verkürzt ausgedrückt, staatserhaltende, wappentragende Kujoni aller Art meint. Erst nach diesen unerlässlichen Vor-Informationen kann ich die Herzszene von >Brüder< (Regie: W. Murnberger; ausgestrahlt zum Jahreswechsel auf ORF 1) nacherzählen: 3 Brüder, genauer gesagt 3 ohne Vater aufgewachsene Wiener Brüder beerdigen in der Nähe Leipzigs ihre innigst geliebte Mutter. Warum ausgerechnet dort? Weil -, der älteste der 3 Brüder, Ludwig, eigentlich Wíggerl, ein Kriegsjahrgang, ahnt bereits das Allerschlimmste -, weil die Mutter einmal im Jahr Blumen auf das Grab gelegt hat, welches jetzt ihr Nachbarsgrab geworden ist. Darauf steht: L-u-d-w-i-g Stadler! Und der Grabstein sieht exakt so aus wie jener der Mutter. Und es gibt Verwandte im Ort, die bestätigen, dass ihr im Krieg gefallener Ludwig ein Mädel in Wien hatte ... Also hat der Ludwig-Wíggerl einen Piefke zum Vater, also – lachen die 2 anderen Brüder -, also ist auch der Wíggerl ein Piefke. Worauf der Wíggerl aus dem Auto stürzt und den erstbesten Sachsen im Ort anpöbelt („Wáppla, kusch, moch mi ned wahnsinnig, heasdd?!“). – Darauf der Sachse: „Was hattn der Mann?“ Darauf ein Wiener Bruder: „Na, er is nur angfressn, weil er ein Deutscher is.“ Der Sachse: „Na und, ich bin auch einer.“ Der Wiener: „Ja, aber er weiß es erst seit jetzt. Aber Sie, Sie san’s jo gewöhnt, Sie san’s schon seit der Geburt!“ *** |
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