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Schäferstündchen

 

Der Biologielehrer, streng: „Schulze, was muss der Körper der Frau vor dem Geschlechtsverkehr werden?“ – Schulze: „Er muss geweckt werden! Dabei kann man mit der Außenfläche der Hand, äh, an der Innenseite der Frauenhand kreisend entlang fahren, ... man kann aber auch mit dem Fuß ...“ – Lehrer: „Nicht so herunter leiern! Sonst werden Sie nie ein guter Liebhaber! Müller, was geschieht dann mit dem Paar?“ – Müller: „Der Blick wird langsam glasig, häufig stellen sich auch Lustgefühle ein ...“ (>Aus dem Wunderland der Triebe<, eine >Pardon<-Aufklärungsplatte)

Billy Wilder war der Meister des unvollendeten Aktes im Film (in den 1950er Jahren in Hollywood UFF=“unfinished fuck“ genannt). In seinen jüngeren Jahren durfte Wilder noch nicht sehr viel nackte Haut zeigen. Und als er es später hätte tun dürfen, hatte er den UFF längst als schweißtreibend-lustige Kunstform für seine Komödien entdeckt. In >Das verflixte siebte Jahr< (1959) stöhnt ein Familienvater (Frau und Kinder wurden in den Bergurlaub geschickt) allein in der vollklimatisierten Parterrewohnung. Weil sich auf dem Balkon über ihm Marilyn Monroe im Negligee einen frischen Luftzug gegen die Augusthitze zu wedelt. Es kommt zu Marilyn-Besuchen in der kühlen Parterrewohnung, es kommt zu zahlreichen ungewollten Verrenkungen, aber es kommt – auch wenn bzw. gerade weil der Zuschauer längst zum Spanner geworden ist -, es kommt nie zur Paarung, wie wir sie aus dem Biologieunterricht kennen.

In Marco Ferreris „Das große Fressen“ (1973) wird der letzte Akt von Marcello Mastroianni zu einer verdammten, körperlichen Anstrengung. Andréa Ferréol lehnt am geliebten Oldtimer-Auto, in den kurzen Pausen schlürft Marcello Spaghetti in sich hinein. Man sieht kaum Haut, aber viel Bewegung, es sind ein paar rasche Schäferminütchen, für ein vollständiges Entkleiden fehlt die Zeit, sonst würden die Nudel viel zu schnell erkalten.
Roger Willemsen hat im Schweizer Fernsehen (DRS) sein neues Buch vorgestellt, in dem er u.a. auch ausführlich von der menschlichen Schäferstündchen-Lust erzählt. Wer im Bioladen beim Kauf von Haferflocken bereits einmal halblüstern angeschaut wurde, wird durch Willemsen aufgeklärt: er hatte einmal eine Studienfreundin, die sich in seiner Studentenwohnung immer, auf dem Kühlschrank hockend, mit Müsli vollgefressen hatte. Hinterher hatte sie, ebenfalls immer, Lust auf ein Schäferstündchen. Noch viele Jahre hindurch bewirkte der Anblick von Müsli bei Willemsen eine Art Bio-Viagra-Effekt.

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