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Potenz im Hafen der Ehe

 

Früher, als die Dinger für unsereinen noch viel zu groß waren, da ging man mindestens zu dritt zum Dorfrasierer und bestellte mit eingeübt lässigem Tonfall eine scharfe Rasierklinge. Für den Vater. Sonst hätte man seinerzeit, am Anfang der 1970er Jahre, keine Präservative bekommen. Eine Schachtel „Settebello“ zum Halbprobieren, eine andere Marke gab es nicht.

Ein paar Jahre später gab es den aufgeklärten Rasierer leider nicht mehr, dafür aber mehr Angebot in der nagelneuen Apotheke. In allen Farben und Formen, von robust bis hauchdünn. Mit Gleitfilm. Eigentlich das Paradies. Jedoch, was heißt denn schon Liebe in einem kleinen Dorf, wo jeder jeden kennt? Die weltoffene Apotheke mit ihrer Markenvielfalt hat den Kauf der Dinger nicht unbedingt erleichtert. Weil man hier laut gefragt wird, was man denn will. Und weil man in der Regel ebenso laut darüber Auskunft gibt. Das hat dazu geführt, dass man – besonders, wenn man sich in einer sogenannten grippegeplagten, also ziemlich großen Warteschlange befindet -, dass man klar und deutlich zwei Flaschen „Klosterfrau Melissengeist“ (quasi eine weihwassermäßige Schutzbestellung!) orderte. Und diskret, begleitet von einem kleinen Räusperchen, noch „diese Schachtel da“ mitnahm. Das wird mit Benedikt XVI. nach seiner ersten Pfingstpredigt keineswegs leichter. Im Gegenteil, via Fernsehen hat er uns vor jeder Form von scharfen Rasierklingen gewarnt. Weil Teufel und Sünde und kein Leben daraus entsteht.
Trost gibt es nur von reiferen Menschen. Mein Onkel Hermann zum Beispiel, der ist neun Jahre älter als Benedikt XVI.. Als es ihm einmal zu ruhig war in der gerammelt vollen Dorfapotheke, schrie er – mit der ernsten Entschlossenheit eines 1,60-Meter großen Záderles – nach vorne zum Apotheker: „Du, Cäsar, mit dem 90er Viagra müssen wir teuflisch zurückfahren. Das Zeug ist einfach zu brutal!“

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