Schulanfang
“Je einfacher denken,“ setzte Konrad Adenauer einmal feierlich zu Beginn eines neuen Schuljahres an, räusperte sich alsdann und wiederholte den ersten Teil seines Satzes: “Je einfacher denken, ist oft eine wertvolle Gabe Gottes.” Ach! -, hätte ich doch diesen Satz schon als Oberschüler einer Gottesschule gekannt, dann wäre mir Vieles leichter gefallen. Dann hätte ich den Lehrerpater, der uns das Schöndenken beibringen wollte (ein leidenschaftlich dreinhämmernder Organist hochgeistlichster Musik, der Humor zwischen den Noten und auch sonst nirgendwo ausstehen konnte), dann hätte ich diesen Menschen und seinen ganzen humanistischen Bildungsauftrag leichter verdaut. Dann wäre ich wenigstens ein mittelmäßiger und kein so miserabler Schüler geworden. Aber dieser Lehrerpater erteilte immer nur todernste Lektionen. Die Renaissance? Und Florenz? – Lauter Genies, eine Stadt voller Genies, alle immer nur das verzweifelt-menschliche Ringen im Kopf, sagte er. Hätte ich damals wenigstens einmal erfahren, dass diese Genies gerne und oft auch ziemlich voll waren, weil im Renaissance-Florenz an mindestens 80 Tagen gefeiert wurde, dass die Säue niemals zu brutzeln aufgehört haben, dann wäre ich schon als Oberschüler ein Freund des humanistischen Gedankens geworden. Aber jetzt, im etwas abgeklärteren, graumelierten Alter kann ich wenigstens den aktuellen Oberschülern die RAI-Sendung „Ulisse“ von Alberto Angela empfehlen. Das ist beileibe keine wahnsinnig gute Serie, eher eine, welche antike bis mittelalterliche Geschichten und Helden poppig bis hip-hopig aufbereitet. Also so, als wäre Botticelli = Britney Spears oder Michelangelo = Eminem. Immerhin bekommen dadurch Dante und Petrarca, Brunelleschi und Vasari, Ghiberti und wie die Florenzgenies alle heißen -, sie alle bekommen Fleisch und Blut. Man erfährt von Alberto Angela, dass Leonardo den ersten Grillmotor der Menschheit entwickelt hat (der Grillrauch treibt einen Ventilator an, dieser mittels Zahnräder die Stange mit dem Fock drauf), dass in der Cappella Brancacci ein schwerhöriger Pater immer lächelte, während sich Masolino und Masaccio bei der Freskomalerei mit lauter ´ccoDddio, porcaputtana & Candaloschtia befetzten, dass Lorenzo il Magnifico an Nierenversagen gestorben ist, weil die Renaissanceküche zu wenig Grünzeug & er zu viele Frauen gekannt hatte, usw. usw. usw.. Alles Gute zum Schulanfang! *** |
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